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Manche von den sogenannten Börsenexperten empfehlen erstmal auf dem trockenen zu üben bzw. ein Musterdepot anzulegen und das Kaufen und Verkaufen von Aktien zu üben, nur auf dem Papier also, ohne den Einsatz von Geld. Das mag eine nette Spielerei für Kinder sein oder eine Möglichkeit um die Zeit totzuschlagen, aber mehr ist es nicht. Man kann sich nicht auf die Börse vorbereiten, man kann kein erfolgreicher Anleger oder Spekulant auf dem Papier werden.
Erst wenn Geld auf dem Spiel steht, unser erspartes und mühselig verdientes Geld, zeigt sich wirklich wie gut unsere Disziplin und Fähigkeiten sind. In der Phantasie und auf dem Papier kann jeder ein toller Trader sein, in der Praxis nur sehr wenige. Genauso wie Sie nicht auf dem Trockenen das Schwimmen erlernen können, ist es auch bei der Aktienanlage nicht möglich - es ist vielmehr Zeitverschwendung. Erst wenn es um die Wurst geht und unserer Gefühle ins Spiel kommen, wenn wir unser Geld riskieren, wir deutlich ob wir in der Lage sind unsere Strategie auszuführen.
Die entscheidende Schwachstelle jeder Anlage-Strategie ist immer der Mensch. Unsere Persönlichkeit ist nicht nur bei der Spekulation mit Aktien und dem Investieren in Wertpapiere entscheidend, sondern bei allen Vorhaben im Leben. Seine Gefühle, seine Emotionen zu kontrollieren ist vielleicht der entscheidende Unterschied, der einen Verlierer von einem Gewinner am Aktienmarkt unterscheidet. Wer wankelmütig, ängstlich oder nervös ist, kann nicht viel Geld verdienen.
Aus diesem Grund müssen Sie sich vor allem selbst besiegen um Erfolg an der Börse zu haben, auch wenn es sich etwas komisch anhört. Es besteht kein Mangel an Tipps und Tricks zur Aktienanlage, an Systemen und Strategien, an erfolgreichen Vorbildern und Spekulanten, denen man folgen kann, sondern es mangelt an Menschen, die das Gelernte umsetzen und die in der Lage sind Ihre Emotionen unter Kontrolle zu bringen, so dass sie nicht beim Vermögensaufbau mit Aktien in die Quere kommen.
Alle erfolgreichen Spekulanten, Investoren und Anleger befolgen diese Regel und sie alle hassen Verluste regelrecht. Sie versuchen alles mögliche um Verluste zu vermeiden, doch sie wissen, dass man ihnen nicht ewig aus dem Weg gehen kann. Früher oder später erwischt es einen und man liegt mit seiner Meinung zum Markt daneben. In diesem Fall heißt es so schnell wie möglich aussteigen, verkaufen und die Verluste begrenzen.
Es ist nicht die Zeit zu Hoffen oder zu Beten, wenn man einsieht, dass eine Aktie sich nicht so verhält wie man erwartet hat und dass man falsch gelegen hat. Fehler und Verluste verschwinden nicht durch Aussitzen. Wenn Sie Ihr Geld an der Börse verlieren, sind Sie aus dem Geschäft. Sie können kein Comeback starten oder die Verluste wieder mit neuen Gewinnen ausgleichen, wenn Ihnen kein Kapital zur Aktienanlage geblieben ist.
Riskieren Sie deshalb niemals Ihren Einsatz und schützen Sie Ihr Geld durch vernünftige Verteilung auf verschiedene Aktien und Märkte.
Ihr Geld ist niemals zu 100% sicher.
Jeder, der das behauptet, lügt. Selbst Staatsanleihen können wertlos verfallen (siehe Argentinien und Russland), Währungen können nichts mehr wert sein, Aktien können sinken und so weiter. Das einzig sichere im Leben ist der Tod. Besonders deutsche Anleger haben sich in den letzten Jahren im Wunsch nach grenzenloser Sicherheit und dem Vertrauen in Banken auf Lebensversicherungen gestürzt.
Es wurden 95 Millionen von ihnen abgeschlossen, was bei nur 82 Millionen Einwohnern beachtlich ist. Doch Lebensversicherungen sind einer der schlechtesten Wege um sein Geld zu vermehren. Sie sind ein guter Weg um Geld zu sparen und sich regelmäßig zum Sparen zu zwingen, aber mehr auch nicht. Die Zinsen sind nicht viel besser als bei einem Sparbuch, oft gibt es gar keine Zinsen. Die Erfahrung, dass Versicherungen nur Geld kosten, aber keines einbringen, lassen wir noch unberücksichtigt.
Die Renditeversprechen von Lebensversicherungen werden in den seltensten Fällen eingehalten. Anstatt sein Geld also der Bank zu schenken, sollte man es lieber mithilfe von Aktienfonds vermehren. Auch hier lässt es sich einrichten, dass jeden Monat ein Teil des Einkommens automatisch von der Bank in Fonds investiert wird. Und täuschen Sie sich nicht, das Geld, das Sie in Ihre Lebensversicherung einzahlen, landet sehr schnell wieder auf den Aktienmärkten der Welt, denn Banken verstehen etwas vom Geldverdienen und wissen, wo es am meisten zu holen gibt.
Der Statistik zufolge besitzen etwa 3,7 Millionen Deutsche Aktien. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das relativ wenig. Vor allem Kleinaktionäre gibt es zu wenig. Dennoch hat fast jeder Bürger sein Geld indirekt in Aktien investiert (auch wenn es ihm oft nicht bewusst ist). Wer Lebensversicherungen oder andere Anlageprodukte besitzt nämlich. Man sollte sich bewusst machen, dass alle Banken und auch Regierungen und Bundesländer einen großen Teil ihres Geldes in Aktien investieren.
Sie tun das, weil man dort am meisten Rendite bekommt, das heißt sein Geld am schnellsten wachsen lässt. Keine Bank der Welt würde ihr Geld auf einem Sparbuch lassen und sich mit 3% Zuwachs im Jahr zufrieden geben. Die Banken sind also schlau. Sie geben Sparern 2 oder 3% für ihr Sparbuch oder aufs Festgeld und investieren diese Einlagen für 5-10% in Aktien.
Und wie man in der letzten Finanzkrise gesehen hat sind alle von einer solchen Krise am Aktienmarkt betroffen und nicht nur die Aktienanleger. Doch wenn man sowieso ein Risiko eingeht, wenn man sein Geld einer Bank überlässt (die einem wenig Zinsen gibt und das Geld in Aktien investiert) wieso sollte man nicht gleich selbst in Aktien oder Aktienfonds investieren?
Eine Aktie ist nicht billig, wenn ihr Kurs besonders niedrig ist, wie viele Börsenneulinge meinen. Es bedeutet überhaupt nichts, wenn man die Aktien eines Unternehmens für 2€ oder sogar nur 0,20€ kaufen kann. Es handelt sich hier nicht um Waren wie Bücher oder Orangen, die man einfach miteinander vergleichen kann. Alles hängt davon ab wie sich die Gewinne des Unternehmens auf die einzelnen Anteile, die Aktien, verteilen.
Es bringt Sie nicht weiter, wenn Sie Aktien für nur 2€ pro Stück kaufen, falls das Unternehmen fast pleite ist. In diesem Fall werden die Aktien bald wertlos sein. Andererseits kann eine Aktie zu 800€ pro Stück günstig sein, wenn es sich um ein solides Unternehmen handelt, das zu Unrecht von der Börse (zum Beispiel während eines allgemeinen Abwärtstrends) abgestraft wurde und jetzt unterbewertet ist. Im Allgemeinen ist es sogar der Fall, dass zu günstige Aktien, die nur wenige Cents oder einige Euro kosten, riskanter sind und nicht selten noch weiter absinken bis sie wertlos werden.
Teure Aktien hingegen steigen weiter und man muss beachten, dass teure Aktien nur teuer geworden sind, weil sie über lange Zeiträume gestiegen sind, was auf ein erfolgreiches Unternehmen schließen lässt. Versuchen Sie keine billigen Aktien an der Börse zu kaufen, im Sinne von billig wie im Supermarkt. Suchen Sie vielmehr nach unterbewerteten Werten, ohne Rücksicht auf den Preis, sei es 10€ oder 200€ pro Aktie.
Ohne Geduld sollten Sie wirklich nicht anfangen Aktien zu kaufen. Trainieren Sie vorher mit Schachspielen oder Meditation. Wenn Sie leicht aus der Fassung geraten und schwache Nerven haben, wird es Ihnen an der Börse nicht gefallen. Sie können natürlich auch ohne Geduld in Aktien investieren, wenn Sie einen Weg finden nicht die Kurse zu beobachten und sich mit der Börse zu beschäftigen, falls Sie in der Lage sind Abstand zu nehmen.
Um mit Aktien Gewinne einzufahren, ist vor allem Geduld gefragt. Es kann manchmal jahrelang dauern bis das erwartete Ereignis eintrifft oder die gekaufte Aktie sich erholt. Man darf nicht zappelig sein und ständig seine Entscheidungen hinterfragen. Früher hat man auch gesagt: “Das Geld an der Börse macht man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Sitzfleisch.” Alle großen Bewegungen an der Börse brauchen Zeit. Sie müssen deshalb die Geduld aufbringen die Aktien nicht frühzeitig zu verkaufen.
Andererseits dürfen Sie bei der Abwärtsbewegung nicht ungeduldig werden, wenn es nach unten geht, und zu früh einsteigen, weil Sie nicht warten wollen bis der Boden erreicht ist.
Wenn die Kurse unaufhörlich steigen und manche Aktien sich innerhalb von Monaten oder sogar Wochen verdoppeln, meldet sich bei vielen die Gier und die Vernunft tritt zurück. Manche denken in dieser Situation groß. Zu groß für sie. Sie nehmen Kredite auf und verschulden sich um Aktien zu kaufen, möglicherweise sogar gehebelte Derivate wie Optionsscheine oder Ähnliches.
Sie glauben schlauer als die anderen zu sein, wenn sie versuchen aus 10 000€ 10 Millionen zu machen. Das ist zwar rein theoretisch möglich, aber die Erfolgsaussichten sind zu gering und das Risiko zu hoch. Spekulieren Sie niemals auf Kredit. Das wird Sie früher oder später vernichten. Auch wenn es sehr verlockend erscheint und es so aussieht als könnte nichts schieflaufen, ist die Börse einfach zu unberechenbar um es zu wagen. Wenn Sie kein Geld mit Aktien ohne Kredite verdienen können, dann werden Sie es auch mit Krediten nicht schaffen. Kaufen Sie niemals Aktien mit fremdem Geld!
Diese Regel von Andre Kostolany sollte wohl auch dieses Mal zutreffen und einigen Anlegern gute Gewinne einbringen. Betrachten wir einmal das Jahr 2009 und wenden diese Formel an. Zuerst das Geld. Auch wenn es zu Anfang des Jahres knapp war als die Finanzkrise in vollem Gang war und die Banken vor lauter Angst kein Geld mehr leihen wollten, war es knapp.
Diese Situation bessert sich derzeit mit jedem Tag. Die Regierungen der Industrienationen haben Billionen in die Wirtschaft und das Bankensystem gepumpt. Außerdem wurden die Zinsen der Notenbanken deutlich gesenkt. Beide Maßnahmen sollten für mehr als genug Geld sorgen, das auf den Markt und in Aktien angelegt werden wird. Dieser Punkt ist also positiv.
Kommen wir zum zweiten, der Psychologie. Die Psychologie bessert sich derzeit, auch wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer noch skeptisch ist und der Erholung nicht traut. Die meisten sind noch vorsichtig (was ein gutes Zeichen ist). Doch auch hier bessert sich die Lage und die Kurse steigen deutlich (auch wenn keiner eine Erklärung dafür hat, was eine weiteres gutes Zeichen ist). Derzeit steht das Licht also auf Geld und risikofreudige Anleger steigen jetzt ein.
Vorsichtige Anleger warten noch einige Monate bis sich die Psychologie entgültig zum Positiven verändert hat. 2009 scheint ein gutes Jahr zum Kaufen zu werden. Langfristig ist natürlich die Konjunktur entscheidend für den Kursverlauf, aber auch hier sieht es gut aus. Die Unternehmen senken die Kosten, es wird gespart, vor allem der Bankensektor wurde bereinigt - nur die profitabelsten Unternehmen sind übrig und es bleibt ein größerer Teil des Kuchens für die Überlebenden. Außerdem werden sich auch hier früher oder später die Wirtschaftsprogramme der Regierungen auswirken müssen.
…zumindest auf kurze Sicht.
Aus diesem Grund macht es auch keine Sinn täglich die Kurse zu beobachten und den Versuch zu unternehmen herauszufinden warum eine Aktie trotz guter Zahlen fällt und eine andere trotz geringer Gewinne steigt, obwohl es eigentlich umgekehrt sein sollte. Auf kurze Sicht gesehen ist die Börse überhaupt nicht logisch und Sie sollten sich nicht darüber den Kopf zerbrechen.
Das ist nicht wichtig, sondern allein der langfristige, große Trend zählt für Sie. Sollen sich doch die Kommentatoren und Fernsehsprecher darum kümmern. Gehen Sie lieber auf Distanz und versuchen Sie die derzeitige Situation aus der Ferne zu überschauen wie ein Adler. Wer weiß schon warum eine Aktie heute steigt? Vielleicht entschließt sich ein Fondsmanager zu kaufen oder Charttechniker kaufen, weil irgendein Widerstand durchbrochen wurde. Niemand kann das so genau sagen. Es ist so gut wie unmöglich kurzfristig vorherzusagen in welche Richtung sich eine Aktie oder der Gesamtmarkt bewegen wird.